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Dienstag, 11. Dezember 2007

oleg mavromatti [ultrafuturo group]


>Meine Waffe weint leise< [2005]
Dem Roboter „Talon“ gewidmet... „Talon“ ist ein ferngesteuerter Universalroboter, der von der US-Armee unter Mithilfe des Iraks zur Entminung, Nachrichtenübertragung usw. eingesetzt wurde. Kann theoretisch ein Maschinengewehr befördern und nach Ermessen ohne Operateur in Betrieb gehen, was der Aufgabe moderner amerikanischer Militärdoktrin entspricht: Kriegsführung ganz ohne Mensch oder mit minimalem Einsatz, aus Sicht des Angreifers, versteht sich. In vielen amerikanischen technischen Hochschulen ist „Talon“ Vorbild zur Nachahmung, und alle Studenten träumen davon, wenn sie schon etwas Ähnliches nicht machen können, so doch wenigstens ihn zu modifizieren... Bei der Entstehung des Video inspirierte die Idee von einer vernünftigen Waffe, die niemanden töten will, und die Geschichte darüber, wie Soldaten im Irak eine ungekannte Sympathie für die Roboter an den Tag legten, d. h. im Gesicht eine Belebung der Maschine, wobei sie den Robotern Namen gaben und im Havariefalle forderten, nicht einen gleichen zu schicken, sondern genau diesen zu reparieren (heilen)... Mit einem Wort, der Roboter ist zum Teil des Operateurkörpers geworden. Diese Videoinstallation haben wir an vielen Orten gezeigt, und den Menschen hat die Graphik gefallen, wenn die pazifistische Message auch häufig unverstanden blieb... Wie kann man so etwas auch verstehen: Eine Waffe ist ja auch Dazu bestimmt – zu töten und nicht zu weinen...

boryana rossa [ultrafuturo group]


still from video >official invitation< 2007

Sonntag, 9. Dezember 2007

mandy knospe





siarhei (sergey) zhdanovich






illja sin | das haus

das stück filet, das ich heute zu abend gegessen hatte, verwandelte sich in einen lang ausgestreckten vogel. der geruch von verfaultem beton lockt kopflose fliegende schweine an. mein haus befindet sich in der linken halbkugel des gehirns eines blassen papiermondes. aus den spalten in den mit watte watte ausgestopften vermoderten wänden fließt radioaktiver speichel

ich habe meine behausung immer dabei was für jede schnecke charakteristisch ist. mir wird es wohl kaum jemals gelingen sie los zu werden. ich gelange an das ufer eines baches, und meine finger streben dem durchsichtigen kühlen wasser entgegen, betasten aber, zertreten, nur eisschollen. in manchem ähneln wir hot-dogs mit senf

mein haus stellt eine kleine kugel aus nickel dar, die auf auftrag eines ausländischen reisebüros hergestellt worden ist. zwischen seinem oberen Teil und seinem unteren ist ein hauchdünner draht angebracht, auf die die noch lebendigen nieren leuchtendflügeliger sperrholzschmetterlinge aufgezogen sind; von ihnen sondern sich nach und nach tropfen rostigen blutes ab und geben mir zu trinken. in meiner rechten oberen ecke lebt ein flusspferd. direkt in der mitte der immer geschlossenen kugel existiert eine immergrüne blume von kotze [betritt dein haus und fühle dich als herr unter dem was du selber erschufst. setze diesen schwachsinnigen und von niemandem gebrauchten bau fort. erzähle noch von deinen möbeln. lebe, sei hier, erfüllt von der besessenen hoffnung darauf dass all das irgendwann endet]

hier gibt es auch ein unveränderliches sortiment von haushaltsausstattung: ein dunkelgrünes sofa mit einem loch, das anfängt mich während der abendspaziergänge zu fressen, zwei schemel, drei stühle und acht tische zur zerlegung von fleisch. all diese gegenstände befinden sich stets an ihrem ort und nichts kann ihre unbeweglichkeit zerstören

natürlich beeinflusst ein solches interieur geradezu alles was ich auch mache. überhaupt ist es meine lieblingsbeschäftigung, mir rostige zwölfzollnägel in den Kopf zu jagen. wenn mein gehirn schließlich ganz von ihnen durchbohrt ist erreiche ich wenigstens nach einigen augenblicken den lang erwarteten zustand einer amöbe

außerdem habe ich natürlich auch andere beschäftigungen, schließlich ein intimleben mit einem verendeten kater und ungeborenen kätzchen. überhaupt ist mein tag jede minute verplant und ich habe keine kraft die gewohnte schichtung ein und der selben ereignisse zu verändern. in der kanne wird ständig kalter tee gekocht, hinter einem undurchsichtigen fenster aus knetmasse fällt wattiger schnee

meinen ganzen schmächtigen mit mitessern bedeckten und von würmern überzogenen körper durchläuft ein brennendes stählernes stechen. schaschliks werden aus meinen gedanken in kalter kotze ausgekocht. jede meiner unzähligen hände versuchte ungewissheit zu ergreifen, etwas, wenigstens etwas durststillendes und unerreichbares, doch stieß schließlich lediglich auf die unebenheiten von schafenhirnen. auf dem regalbrett im marmorschrank steht das ewige asphaltfeuer des nichtseins

sicherheiten von haushaltsgegenständen unter berücksichtigung des risikos des entstehens naturtechnogener katastrophen und anderer außergewöhnlicher anfälle der verteidigungsfähigkeit und mobilisierungsbereitschaft

als Er mich bei der hand nahm um mich aus diesem haus auf die straße herauszuführen war der herbst gerade sehr still und wohl auch handzahm

illja sin & jura timafejeu | supper


Das geheime Abendmahl wurde zum Akt der Verbindung von Gott und Mensch und auch der Menschen untereinander. Das Milieu des Films „Das Abendmahl“ provoziert gewisse Anspielungen auf dieses biblische Sujet, aber sein einziger Held vereinigt sich im Prozesse des Verschluckens von Asche und Staub nicht, sondern „trennt“ sich vielmehr, und zwar von sich selber. Kontext der simplen und gewissermaßen ironischen Handlung ist das Thema anthologischer Abgeschiedenheit.
Es ist in Betracht zu ziehen, dass die absichtliche Profanierung des Sakralen im vorliegenden Falle nichts Kritisches bezüglich des letzten – Gott bewahre! – in sich trägt. Zum Gegenstand der Kritik können hier nur die Autoren selber werden. Mehr noch, diese Profanierung kann man keinesfalls als Intention des Autors bewerten – vielmehr handelt es sich hierbei um ein Beispiel der nicht unbekannten Formel „man wollte das Beste, doch es kam heraus wie immer“.

alexandr rodin


die schwere last der ausgehenden epochen, geleitet durch zaghafte äusserungen einer nicht weniger vagen zukunft und durch die vorahnung zodiakaler wandlungen in den sphärischen weiten des universums, taucht der menschliche geist hinab in die untiefen feinster energien des ewigen chaos und vernimmt das seltsame gefühl der unbestimmtheit vielfältiger zustände.
das menschliche wesen wird zum objekt der ausgeklügelten aggression informations- und umweltchaos. als nicht wegzudenkendes element der ökologischen evolution, als ihr auslöser und ihr lasterhaftes gleid, das mit ausserordentlicher hartnäckigkeit seines techno-megalithischen lebensraum erweitert; der gefüllt ist von wirklich gewordenen gedankenaähnlichen gebilben seines unvollkommenen geistes, wird der mensch selbst opfer einer sinnlosen hast, indem er sich den ewigen unverrückbaren gesetzen des seins widersetzt.
die fasseln der unbewussten instinkte sprengend, das fassbare in den tiefen der irrationalen und unendlichen welt der formen und unformen auflösend, auf bemalter leinwand versuche ich, durch die plastische bewegung der rhythmen und farbstrukturen den makro- und mikrokosmos des mentalen physischen und astralen seins festzuhalten und zu verknüpfen.
a. rodin, berlin 2005. more images: http://flickr.com/photos/a-rodin/

martin zerrenner


alles ruhig in der smoking area sozialkritik
schüchterne schäfchen am novemberhimmel
und der rote wurm aus zerbrochenes glasfleisch
langsam teilt sich der vorplatz
rattengroße hunde im leberbädchen mit glöckchen
wartende taxihyänen rauchend auf und ab
laufend den reisenden hinterher schielend
in der sonne morgens ausreichend versorgt
sie kentern und ersaufen im selbstmitleid

so sexy